Dividendenstrategie schlägt DAX

07.08.2017 - 3 Minuten Lesezeit

Eine deutliche Outperformance im Vergleich zum DAX lässt sich einer neuen Studie zufolge für Privatanleger sehr einfach realisieren: Dazu muss lediglich in Dividendentitel investiert werden. Die Studie zeigt: Dividenden sind unabhängig von der Dividendenrendite ein Qualitätskriterium für Aktien. Und je mehr und je konstanter die Ausschüttungen gezahlt werden, desto besser.

Einfache Strategien sind bekanntlich die besten. Das gilt der „Dividendenstudie 2017“ zufolge auch für fundamental orientierte Auswahlkriterien für Aktien. Die Studie wurde durch die Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW), die FOM Hochschule und das Portal Dividendenadel.de erstellt und kommt zu dem Ergebnis, dass Dividendenzahlungen ein wesentliches Qualitätskriterium für Aktien darstellen.

Für die Studie wurde eine Dividendenstrategie hypothetisch und rückwirkend getestet. Investiert wurde ausschließlich in Unternehmen, die im Vorjahr eine Dividende gezahlt hatten. Einmal pro Jahr wurde das Depot angepasst. Hätte ein Anleger zu gleichen Teilen in die „Dividendenzahler“ des HDAX investiert, hätte sich das initial angelegte Vermögen im Zeitraum zwischen 2004 und 2017 annähernd verfünffacht. Eine Investition in die „Nichtzahler“ hätte dagegen im selben Zeitraum lediglich eine Verdoppelung des Vermögens eingebracht.

Dividendenzahler

Demnach stellt eine Dividendenzahlung ein wesentliches Qualitätskriterium für Aktien von Unternehmen dar. Der Studie zufolge kommt es dabei nicht auf die Dividendenrendite an. Diese Kennzahl – ermittelt als Verhältnis aus angekündigter Dividendenzahlung und aktuellem Aktienkurs – wird bei den meisten Dividendenstrategien herangezogen. Der Untersuchung nach reicht es jedoch aus, die Auswahl auf Unternehmen mit Dividendenzahlung zu beschränken, ohne gleichzeitig den Aktienkurs zu berücksichtigen.

Für die Aussagekraft von Dividendenzahlungen lassen sich verschiedene Gründe anführen:

  1. Erstens werden Dividendenzahlungen aus bereits real erwirtschafteten Gewinnen finanziert. Unprofitable Unternehmen können zwar eine Zeit lang weiter Dividenden zahlen, werden ihre Aktionäre aber früher oder später leer ausgehen lassen. Die Aktien werden dann bei der nächsten Anpassung aus dem Portfolio entfernt.
  2. Zweitens werden durch die „Dividendenbedingung“ Aktien aus dem Portfolio herausgehalten, die für besonders große Verluste verantwortlich sind – massiv überbewertete Technologieaktien von Unternehmen etwa, die nie die Gewinnzone erreichen.
  3. Drittens ist das Streichen der Dividende häufig der Auftakt einer langjährigen Durststrecke, die Investoren mit der Dividendenbedingung nicht allzu lange begleiten.

Auch wenn Dividendenzahlungen an sich der Studie zufolge bereits ein hinreichendes Auswahlkriterium darzustellen scheinen, lässt sich ein Zusammenhang zwischen der Dividendenrendite und der Performance einer Aktie messen. In der Studie wurde dieser Zusammenhang langfristig untersucht: Hypothetisch investiert wurde in die Aktien, die in den zehn Jahren zuvor die höchsten Dividendenrenditen aufgewiesen hatten. Die Investition wurde auf 15 Aktien des gesamten deutschen Aktienmarktes (inklusive des bei Privatanlegern weniger beliebten Freiverkehrs) aufgeteilt. Ein derart aufgestelltes Portfolio hätte sich von 2004 bis 2017 versiebenfacht. Bei einer Anwendung allein auf DAX Titel hätte sich das Vermögen verdreifacht, bei einer alleinigen Anwendung auf den MDAX verfünffacht.

Entwicklung Portfolio

Für das Jahr 2017 ergibt sich für die Strategie „Renditekaiser“ bezogen auf den gesamten Aktienmarkt das nachfolgend abgebildete Portfolio:

Portfolio

Wer Dividenden zum Auswahlkriterium für Aktien macht, befindet sich in prominenter (und vor allem: erfolgreicher) Gesellschaft. Warren Buffet, ein Schüler Benjamin Grahams, empfiehlt für Aktienstrategien dieselben Überlegungen wie beim Kauf eines ganzen Unternehmens. Die Dividende ist die Beteiligung des Aktionärs an den Gewinnen eines Unternehmens und damit auch an der tatsächlich vorhandenen, beweisbaren und durch den relevanten Absatzmarkt getesteten Profitabilität.

Die Alternative zu einer solchen Beteiligung sind Versprechen auf Beteiligungen an zukünftigen Gewinnen. Ob, wann und in welchem Umfang diese eintreten, ist jedoch offen. Die Dividendenstudie jedenfalls legt nahe, dass Ausschüttungen ein weitaus wichtigeres Bewertungskriterium sein könnten als bislang (ohnehin schon) angenommen. Ein weiterer wesentlicher Vorteil von allen Dividendenstrategien ist ihre einfache und kostengünstige Umsetzung, die auch für Privatanleger ohne großen Aufwand möglich ist.

Auf dieser Seite können Sie die Dividendenstudie im Original einsehen.

Über den Autor

Oliver Baron

Oliver Baron

Oliver Baron studierte in Tübingen, Bristol und Berlin und beschäftigt sich seit vielen Jahren mit den Finanzmärkten. Dabei spielen für ihn fundamentale Aspekte die wichtigste Rolle. Nach Zwischenstationen bei verschiedenen Medien ist er seit 2007 als Experte für die BörseGo AG tätig. An der Börse fasziniert Oliver Baron besonders das freie Spiel der Marktkräfte, das dazu führt, dass der Markt niemals vollständig vorhersagbar ist. An keinem anderen Ort liegen Erfolg und Misserfolg so nahe beieinander wie an der Börse. Nur hier werden ständig Vermögen gemacht und verspielt.

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